oT, 2017 © Nadja Bournonville

Ein Interview mit der Olympus-Stipendiatin Nadja Bournonville

In Kooperation mit dem Haus der Photographie/Deichtorhallen Hamburg, dem foam Fotografiemuseum in Amsterdam und dem Fotografie Forum Frankfurt unterstützt Olympus mit dem 2017 ins Leben gerufenen Stipendium recommended aufstrebende Fotografen im künstlerischen Bereich. Ziel ist es, die Fotografen durch die Zusammenarbeit und den Dialog mit den drei renommierten Ausstellungshäusern für Fotografie auf europäischer Ebene an einem entscheidenden Karrierepunkt zu unterstützen. Das Stipendium, das eine Fördersumme und Sachleistungen einschließt, ermöglicht im Zwei-Jahres-Turnus drei ausgewählten Stipendiaten die Umsetzung eines fotografischen Projektes.

Bei der Erarbeitung und Umsetzung des Projektes werden die Stipendiaten jeweils von einem Kurator für Fotografie individuell betreut und in Form von Coachings begleitet. Eine abschließende Kuratierung und Präsentation der Projektergebnisse durch die Ausstellungshäuser verschafft den Stipendiaten Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit in der Kunstszene. Der Auftakt der Präsentationen in 2018 durch die Ausstellungshäuser wird in Hamburg im Rahmen der Triennale der Photographie sein.

© Olympus

Die Stipendiaten des ersten recommended-Jahrgangs sind Thomas Albdorf (*1982 in Linz), Lilly Lulay (*1985 in Frankfurt am Main) und Nadja Bournonville (*1983 in Vimmerby). Thomas Albdorf wird von Hinde Haest betreut, Kuratorin am Foam Fotografiemuseum Amsterdam und Lilly Lulay von Celina Lunsford, Kuratorin des Fotografie Forum Frankfurt. Ingo Taubhorn, Kurator des Hauses der Photographie/Deichtorhallen Hamburg, wird ein Jahr lang Nadja Bournonville persönlich bei der Erarbeitung und Umsetzung des künstlerischen Projektes begleiten und betreuen.

Nadja Bournonville studierte Fine Art Photography an der Glasgow School of Art sowie Fotografie und anschließend an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. In ihren Arbeiten spielen die Entwicklung der Fotografie, Familiengeschichten, Erinnerungen, Literatur und Psychologie eine große Rolle.

Nadja, wo findest du Inspiration für deine Arbeiten?
Meistens inspiriert mich die Literatur. Ich habe immer sehr gerne gelesen, fast alles was mir in die Hände gefallen ist: Romane, Gedichte, aber natürlich auch andere Texte und Artikel, die einen Bezug zu dem Thema haben, mit dem ich mich beschäftige.

Arbeitest du ausschließlich mit Fotografie oder welche andere Techniken verwendest du in deiner künstlerischen Arbeit?
In meinen bisherigen Projekten habe ich mit analoger Fotografie, Zeichnung und Film gearbeitet. Die Zeichnungen bestehen oft aus dichten, handgeschriebenen Texten. Die Fotografien sind oft in irgendeiner Form bearbeitet, besonders in meiner letzten Arbeit Blindfell. Dafür habe ich die Negative verbrannt und durchgestochen sowie häufig mit Fehlbelichtungen und Doppelbelichtungen gearbeitet.

Nadja Bournonville © Olympus

Woran arbeitest du im Augenblick?
Ich arbeite gerade an einem Projekt über die Tante meiner Oma die während des Erstes Weltkrieges eine unglaublich erfolglose Spionin war. Dabei konzentriere ich mich auf das Scheitern – wenn das eigene Leben an einen Umkehrpunkt gelangt, an dem es kein Zurück mehr gibt. Auch zeige ich wie zum Beispiel Geheimtinte nur durch gewisse Prozesse sichtbar gemacht werden kann – ganz so wie Fotografie auch manches sichtbar macht und andere Dinge verschwinden lässt.

In welchem Stadium befindet sich die Arbeit gerade?
Ich fange jetzt an zu produzieren. Die Recherche habe ich zum großen Teil im letzten Jahr abgeschlossen. Gerade geht es um das Fotografieren und darum, das richtige Format für die Arbeit zu finden.

Ingo Taubhorn, Kurator im Haus der Photographie der Deichtorhallen, wird dich dabei unterstützen und beraten. Wie empfindest du die Zusammenarbeit?
Ich schätze Ingo Taubhorn sehr: seinen Humor, seinen Blick. Es wird eine lustige und spannende Erfahrung werden, mit ihm zu arbeiten und zu diskutieren. Wir möchten uns ein paar Mal im Laufe des Jahres für Besprechungen treffen – was sich sonst noch ergibt, wird sich zeigen.

Erste Testprints der Arbeit »Intercepted« auf Japanpapier. Foto: © Nadja Bournonville

Was ermöglicht ein Stipendium wie dieses von Olympus?
Wie viele andere KünstlernInnen finanziere ich mich über Bildverkäufe, Stipendien oder auch mit Nebenjobs. Oft brauche ich für jedes neue Projekt circa zwei Jahre und da ich gern mit analoger Fotografie, schönen Rahmen und Büchern arbeite sind die Produktionskosten auch relativ hoch. Die finanzielle Unterstützung ist unbedingt notwendig, um das Geld in die Arbeit investieren zu können und nicht nur in das Überleben. Das recommended Stipendium ermöglicht mir, allen Ideen für das Projekt ohne finanzielle Sorgen nachzugehen und mit verschiedenen Materialien zu experimentieren. Außerdem haben alle Stipendiaten die Möglichkeit ihre Arbeiten in Ausstellungen, die für 2018 und 2019 geplant sind, zu zeigen. Das alles ist wirklich sehr viel wert!

In welcher Form präsentierst du deine Arbeiten am liebsten?
Wenn ich eine neue Arbeit anfange, denke ich zuerst an ein Buch, vielleicht auch weil ich so gerne lese. Bücher können eine andere Verbindung zum Betrachter herstellen als Bilder, die an der Wand hängen. Es besteht eher die Möglichkeit, sich mit dem Thema in Ruhe auseinanderzusetzen. Bücher erschaffen auch Bilder im Kopf des Betrachters, ermöglichen ein Dialog. Diese Art von Ruhe in einem Ausstellungsraum sicherzustellen ist eine größere Herausforderung. Allerdings ist auch die Ausstellungsgestaltung toll, besonders wenn man mit verschiedenen Rahmen und Größen, mit Materialien und der Hängungen spielen kann, um so jedes einzelne Bild als Objekt im Bezug auf andere Bilder im Raum präsentieren zu können.

Shut your eyes, aus der Serie »Blindfell«, 2015, © Nadja Bournonville

Poke and bend, aus der Serie »A conversion act«, 2012, © Nadja Bournonville

Petrification, aus der Serie »Blindfell«, 2015, ©Nadja Bournonville

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