© Henning Rogge/Deichtorhallen Hamburg

Hallo Vermittlung!? Ein Gespräch anlässlich der Konferenz zur Kunstvermittlung

Die Deichtorhallen Hamburg und die Körber-Stiftung laden im April zu einer Konferenz nach Hamburg ein, die sich mit Kulturvermittlung in Zeiten des demografischen und digitalen Wandels befasst. Anja Paehlke aus dem Vorstand der Körber-Stiftung und Bert Antonius Kaufmann, Kaufmännischer Direktor der Deichtorhallen, erzählen im Interview, wie es zu der Zusammenarbeit kam und was das Anliegen der Konferenz ist.

Herr Kaufmann, wie kamen die Deichtorhallen als Ausstellungshaus auf die Idee, eine Konferenz zur Kunstvermittlung zu machen?
Kaufmann: Im Bereich der Kulturellen Bildung kooperieren wir seit Jahren mit unterschiedlichen Projektpartnern, Förderern und Künstlern. So entstand früh der Wunsch, sich gemeinsam mit diesen Partnern Zeit zu nehmen, um sich über die Themen und Perspektiven zeitgemäßer Kunstvermittlung auszutauschen. Die Kunstvermittlung hat in den Deichtorhallen schon immer eine herausgehobene Rolle gespielt. Sie hat für uns auch eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung, in der sich gerade viel entwickelt und verändert.
Dies ist für uns Anreiz gewesen, neue Ansätze im Rahmen einer Veranstaltung zusammen mit anderen Interessierten zu erleben und zu diskutieren. Was lag also näher, als mit unserem langjährigen Partner, der Körber-Stiftung, eine große und impulsgebende Veranstaltung gemeinsam zu entwickeln. In vielen Gesprächen haben wir aus der Vielzahl von Möglichkeiten ein stringentes Programm entwickelt.

Anja Paehlke, Vorstand der Körber-Stiftung, und Bert Antonius Kaufmann, Kaufmännischer Direktor der Deichtorhallen. Foto: Paolo Marchetti

Frau Paehlke, was ist das Anliegen der Konferenz?
Paehlke: Unsere Gesellschaft wird immer diverser, außerdem altert sie. Darauf müssen Museen und Ausstellungshäuser reagieren. Die Frag ist, wie sich ein Zwanzigjähriger mit migrantischen Wurzeln von einem Museum genauso angesprochen fühlen kann wie eine 80-Jährige mit ihrem dementiell erkrankten Ehemann. Das kann dann mehr sein als große Ausstellungen zu machen und auf bekannte Namen zu setzen. Das Publikum muss von Anfang an mitgedacht werden. Wir wissen, dass viele Häuser hervorragende Vermittlungsarbeit leisten. Und so ist die Konferenz konzipiert: um voneinander zu lernen, den Austausch zu fördern und gute Ideen für die Zukunft zu entwickeln.

Was ist das besondere an »Hallo, Vermittlung!?«?
Kaufmann: Die Konferenz behandelt aktuelle Themen, mit denen sich heute alle Kunstinstitutionen befassen: Vermittlung im digitalen Bereich, interkulturelle Vermittlung und Vermittlung für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, speziell Menschen mit Demenz. Die Veranstaltung ist so angelegt, dass alle Teilnehmer aktiv werden können und sollen und sich sowohl in den Diskussionen als auch Arbeitsgruppen einbringen können. Besonders ist auch die Interdisziplinarität der Referenten und der Teilnehmer, die sich so dem Thema Kunstvermittlung aus unterschiedlichen Perspektiven widmen können.

Welche Rolle spielt Kulturvermittlung in den Deichtorhallen?
Kaufmann: Die Deichtorhallen haben im Bereich der Vermittlung ein großes und vor allem künstlerisch und fotografisch ausgerichtetes Angebot. Neben klassischen Formaten haben wir innovative Projekte wie den Klub der Künste für junge Erwachsene oder das preisgekrönte Kunstlabor entwickelt. Zu jedem unserer Ausstellungsprojekte werden eigenständige Vermittlungsangebote geschaffen. Diese werden von dem Intendanten Dr. Dirk Luckow der Leiterin der Kulturellen Bildung, Birgit Hübner, und Ihrem Team in Zusammenarbeit mit den Künstlern und Kuratoren, entwickelt. Hierbei wird grundsätzlich auf prozessorientierte und künstlerische Vermittlung geachtet.

Welche Erfahrungen hat die Körber-Stiftung im Bereich Kulturvermittlung?
Paehlke: Wir sind seit Jahren aktiv im Bereich der Kulturvermittlung. In den letzten Jahren lag unser Fokus im Bereich Musik. Wir haben zum Beispiel 2008 zusammen mit Partnern ein Fachsymposium ins Leben gerufen, The Art of Music Education, das seitdem regelmäßig die Musikvermittler europäischer Konzerthäuser nach Hamburg holt. Auch da haben wir gelernt: Kulturvermittlung muss zum Kern der Institutionen werden. Dazu braucht es Mut und Ideen – die sich am besten gemeinsam finden lassen.

Die Konferenz »Hallo, Vermittlung!?« findet am 3. und 4. April 2017 in den Deichtorhallen Hamburg und im KörberForum statt. Die Konferenz ist aktuell ausgebucht, es gibt eine Warteliste. Um die Themen und Diskussionen möglichst vielen Interessierten zugänglich zu machen, wird es Audio- und Videomitschnitte der Beiträge geben. Weitere Infos finden Sie auf www.deichtorhallen.de/hallovermittlung

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