© Deichtorhallen Hamburg/Courtesy Hanne Darboven Stiftung, Hamburg

Über Hanne Darboven und die Musik

Für Hanne Darboven war Musik ebenso wichtig wie andere Kunstgattungen; seit 1980 schuf sie ausgedehnte musikalische Kompositionen, indem sie die in ihren Werken enthaltenen Datumsangaben und Zahlenkonstruktionen in Musik umwandelte.

Den Geburtstag der Künstlerin, die am 29. April 76 Jahre alt geworden, wäre feiert die Hanne Darboven Stiftung nun mit einem Festkonzert in der Hauptkirche St. Petri, bei dem neben Orgelwerken von Johann Sebastian Bach auch Werke von Hanne Darboven gespielt werden.

Das Konzert ist ein besonderes Ereignis, da das musikalische Werk von Hanne Darboven in diesem Umfang eher selten zur Aufführung gebracht wird. Dabei spielt die Musik im Werk Hanne Darbovens eine wichtige Rolle – immerhin wäre die Künstlerin beinahe Pianistin geworden. Grund genug, um anlässlich des Festkonzertes mit Florentine Gallwas und Nicole Krapat, wissenschaftliche Leiterinnen der Hanne Darboven Stiftung, über die Rolle der Musik in Hanne Darbovens Werk zu sprechen.

Frau Gallwas, Frau Krapat, welchen Stellenwert nimmt die Musik in Hanne Darbovens Biografie ein?
Hanne Darboven verstand Musik als elementaren Bestandteil ihrer Kunst. Sie sagte einmal »Die Endkonsequenz meiner Arbeit wird die Musik sein. Die totale Abstraktion der Kunst, das ist die Musik – immer gewesen und wird sie mit mir weiter sein.« Als Kind erhielt sie eine musikalische Ausbildung im Fach Klavier und weiteren Instrumenten. Als es schließlich um die Entscheidung ging, ob sie Musikern oder Künstlerin wird, entschied sie sich für die Kunst.

Auswahl aus Requiem, Opus 19 -22, 1971 - 2002 © Hanne Darboven Stiftung, Hamburg / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Warum entschied sich gegen eine Karriere als Berufsmusikerin?
Diese Frage beantwortete ihre Mutter Kirsten Darboven in einem Interview: »Hanne wollte schaffend sein.« Da es ihr nicht genügen sollte zur reinen Interpretin zu werden, kam sie erst später als Komponistin zur Form der Musik zurück.

Ab wann integriert die Künstlerin Musik in ihre Kunst und wie macht sie das? 1980 integriert Darboven das Werk Opus 1 bis 6 für Orgel Solo in ihrem Werk Wende 80. Sie übertrug dabei ihre typischen Quersummenrechnung in eine Partitur, auf der jede Ziffer von 0 bis 9 ihren eigenen Stammplatz hat.

Hanne Darboven sagte einmal, Musik sei die abstrakteste Form der Kunst. Wie ist das zu verstehen?
Hanne Darboven benannte die Musik als totale Abstraktion der Kunst, weil sich der thematische Inhalt aus der räumlich visuellen Kunst entfernt und in eine akustische Form der zeitlichen Kunst übergeht.

Für welche Instrumente komponierte Hanne Darboven?
Die ersten Werke wurden hauptsächlich für Orgel Solo komponiert. Darauf folgten Kompositionen für Kontrabass und Harfe Solo. Neben Werken für Solobesetzung komponiert Darboven auch Kammermusik z.B. das Streichquartett, Op. 26 sowie das Blechbläsertrio, Op. 43. Später folgten sinfonische Werke für Orchesterbesetzung. Sie hat über 60 Werke komponiert.

Was erwartet die Konzertbesucher bei Hanne Darbovens »Werke für Orgel Solo« in der Hauptkirche St. Petri?
Wir sind besonders stolz, an diesem besonderen Abend Thomas Dahl mit Werken von Hanne Darboven erleben zu dürfen. Er gehört zu den herausragendsten Organisten unserer Zeit und hat zu Hanne Darbovens Lebzeiten eng mit der Künstlerin zusammengearbeitet. Sie hat ihm zudem einen großen Teil ihrer Uraufführungen, sowie die Einspielung des Requiems anvertraut. Auf dem Programm stehen Werke von Darboven und Bach sowie eine Improvisation über h-d von Thomas Dahl.

Das Gespräch führte Isabel Abele.

Das Festkonzert zu Hanne Darbovens 76. Geburtstag mit Orgelwerken von Hanne Darboven und Johann Sebastian Bach findet am 29. April 2017, um 19 Uhr in der Hauptkirche St. Petri statt. Organist: Thomas Dahl. Eintritt frei. Die Ausstellung HANNE DARBOVEN – GEPACKTE ZEIT mit Werken Darbovens und befreundeten Künstlern aus ihrer New Yorker Zeit ist noch bis zum 3. September 2017 in der Sammlung Falckenberg zu sehen.

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