Mumbai © Peter Bialobrzeski

“Kein Schutzpatron, nirgends” – Peter Bialobrzeski über seine neue Fotoarbeit aus Mumbai

VON JOANNA JURKIEWICZ   Das Thema Globalisierung und die Neuordnung der Wohn- und Lebensverhältnisse in den boomenden Megacities der Welt sind ein wiederkehrendes Motiv im Werk des deutschen Fotografen Peter Bialobrzeski.In seinem viel gelobten Buch Neon Tigers hat Bialobrzeski einen Blick auf die Architekturlandschaften der asiatischen Megastädte geworfen, seine fotografischen Tagebücher wie Cairo Diaries und Athens Diaries zeigen Stadtlandschaften inmitten sozialer und politischer Umbrüche. Im Blog der Deichtorhallen zeigen wir exklusiv erste Bilder und lassen den Fotografen von seinen Eindrücke vor Ort berichten.

»Während in Bonn die Weltklimakonferenz tagt, in Deutschland der Kohleaustieg debattiert, die Verkehrswende gefordert wird und der Film »Blade Runner 2049« dystopische Ängste schürt, führt Mumbai vor, mit welchen Zukunftszenarien Metropolregionen weltweit rechnen können. Ein paar Zahlen: Täglich werden in Mumbai 700 Fahrzeuge neu zugelassen, täglich ziehen 500 Familien neu in den Großraum. Die Einwohnerzahl pro Quadratkilometer liegt bei 22000. Über 50% aller Bewohner leben in Slums. Rahul Mehtrota, Gründer des Urban Research and Design Institute Mumbai und Inhaber des Lehrstuhls für Urbanismus in Harvard, prognostiziert, dass in Indien in den nächsten 20 Jahren 300 Millionen Wohnungen fehlen werden. Die überforderte Infrastruktur sieht er als das Resultat nicht vorhandener, vorausschauender Planung an.

Meine Fotoarbeit beschreibt »Suburbia« als Metapher für eine Krise dessen, was wir Zivilisation nennen. Spekulativ könnte man die Bilder als ein dystopisches Szenario auch für das Leben an anderen Orten ansehen. »Spekulativ« nennt Mehtrota seinen Vorschlag, Planungen ganzheitlich und mindestens zehn Jahre in die Zukunft zu denken. »No Buddha in Suburbia« steht aber auch für die Vorstadt, die nicht in den Touristenbroschüren auftaucht, wegen der man weder Hamburg, New York noch Mumbai besucht, deren Architekturen höchstens zweckmäßig, oft aber lieblos und nachlässig daherkommen. Kein Schutzpatron, nirgends.

Die Fotografien entstanden während einer Künstleresidenz des Goethe-Instituts Mumbai im Oktober, November und Dezember 2017. Während ich diese Zeilen schreibe ist die Arbeit noch nicht abgeschlossen, sowohl Auswahl, finaler Umfang und Bildgrößen stehen noch nicht fest.«

Peter Bialobrzeski, Mumbai im Dezember 2017
Peter Bialobrzeski gehört zu den bekanntesten und international erfolgreichsten deutschen Fotografen der Gegenwart. Aktuell ist seine Ausstellung DIE ZWEITE HEIMAT im Haus der Photographie der Deichtorhallen zu sehen. Das gleichnamige Buch ist soeben bei Hartmann Projects erschienen.

Courtesy Peter Bialobrzeski © Peter Bialobrzeski

 

Courtesy Peter Bialobrzeski © Peter Bialobrzeski

 

Courtesy Peter Bialobrzeski © Peter Bialobrzeski

 

Courtesy Peter Bialobrzeski © Peter Bialobrzeski

 

Courtesy Peter Bialobrzeski © Peter Bialobrzeski

 

Courtesy Peter Bialobrzeski © Peter Bialobrzeski


Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>