Foto: © Henning Rogge/Deichtorhallen Hamburg

Kurator Ingo Taubhorn über die neue Ausstellungsreihe »Hamburger Helden«

Mit der aktuellen Ausstellung von Peter Bialobrzeski im Haus der Photographie starten die Deichtorhallen eine neue Ausstellungsreihe: Hamburger Helden soll zukünftig Fotografen zeigen, die von Hamburg aus arbeiten und deren Positionen eng mit der Hansestadt verknüpft sind. Magnus Pölcher und Joanna Jurkiewicz sprachen mit Ingo Taubhorn, Kurator im Haus der Photographie, über die Idee zur Ausstellungsreihe und über kommende Hamburger Helden.

Die Reihe Hamburger Helden beschäftigt sich mit herausragenden Positionen von Fotografinnen und Fotografen, die ihren Sitz in der Hansestadt haben und von hier aus international agieren. Wie entstand die Idee und wer sind die Hamburger Helden?
Die Idee für die Serie kam aus meinen jahrelangen Beobachtungen als Fotograf. Bereits in den 1980er Jahren konnte man in der Fotoszene beobachten, dass Internationalität immer bevorzugt, während herausragende lokale Positionen vernachlässigt wurden. Der Blick auf die eigene Stadt und lokale Fotografieszene spielt aber gerade im Zeitalter der Globalisierung eine wichtige Rolle.

Da Hamburg sich als Medienstadt versteht, ist es wichtig, den genauen Blick auf das Lokale zu werfen und sich zu fragen, wer eigentlich in Hamburg arbeitet. So kommt man schnell auf eine Reihe von bedeutenden Namen, die teilweise nicht nur in Hamburg eine wichtige Rolle spielen, sondern über die Grenzen hinaus international bekannt sind.

Ingo Taubhorn, Kurator im Haus der Photographie

Die Reihe ist also nicht thematisch an die Stadt geknüpft, sondern sie bildet eine Art Plattform für die Fotografen und Fotografinnen, die hier leben und arbeiten?
Das Lokale bezieht sich nicht auf die Sujets, das muss an dieser Stelle deutlich gemacht werden. Es geht nicht darum, die Stadt zu porträtieren. Das Lokale ist auch kein Qualitätsmerkmal an sich.

Geht es mit den Hamburger Helden also weniger um Künstlerförderung, sondern um die Anbindung des Hauses an die lokale Fotoszene?
Ich begegne regelmäßig herausragenden Fotografen, die überhaupt keine Museums- oder Ausstellungslobby haben. Viele Künstler landen gar nicht im Ausstellungsraum, das liegt aber nicht daran, dass deren Arbeiten nicht qualitativ gut genug für ein Museum sind. In diesem Prozess spielen sehr viele Aspekte eine Rolle, zum Beispiel, ob ein Künstler gut vernetzt ist. Außerdem gibt es eine Menge Fotografen, die den Blick nur in ihre Arbeit stecken und weniger in das  Management. Mit der Ausstellungsreihe Hamburger Helden bieten wir ein Format, mit dem diese Künstler einem breiteren Publikum vorgestellt werden.

Werden im Rahmen von Hamburger Helden nur Einzelausstellungen gezeigt oder könnte es auch eine Gruppenausstellung geben?
Grundsätzlich wäre eine Gruppenausstellung denkbar, aber man müsste dann natürlich eine auf die Fotografie bezogene Fragestellung finden, die alle Arbeiten miteinander verbindet. Ich denke, es ist noch zu früh, um das zu entscheiden. Zu diesem Zeitpunkt ist es interessant, wie es mit dem Format weitergeht. Es handelt sich zunächst um eine Kabinettausstellung, die in gewisser Weise an eine größere Schau angebunden wird.

Mit den aktuell laufenden Projekten im Haus der Photographie von Peter Bialobrzeski und Alec Soth ist diese Verbindung sehr gut gelungen. Auf der einen Seite gibt es einen Fotografen, der sich auf eine sehr poetische Art und Weise mit den amerikanischen Lebenswelten auseinandersetzt. Auf der anderen Seite gibt es einen deutschen Fotografen, der den Blick auf das eigene Land wirft. Peter Bialobrzeski schaut sich an, was Architektur mit dem Menschen macht und wie unser Blick auf Orte, die wir vielleicht ausblenden oder als hässlich empfinden, sensibilisiert wird. Das Interessante an den beiden ist, dass sie sich auf dieselben Vorbilder in der Geschichte der Fotografie beziehen und sich sogar persönlich kennen. So wird aus zwei Positionen mit unterschiedlichen Sujets ein Ganzes.

Die Ausstellung von Peter Bialobrzeski bildet den Auftakt der Serie »Hamburger Helden« Foto: © Henning Rogge/Deichtorhallen Hamburg

Möchtest du dich auf zeitgenössische Fotografie konzentrieren oder hast du auch an historische Positionen gedacht?
Auf jeden Fall. Hier kann ich einen Namen nennen: Wilfried Bauer war ein Hamburger Fotograf, der 2005 gestorben ist. Er hinterließ einen umfangreichen Nachlass, der zunächst aufgearbeitet werden muss. Da eine umfassende Retrospektive erst nach langjährigen Archivarbeit möglich wäre, wäre eine Ausstellung im Rahmen von Hamburger Helden eine großartige Chance, einen Einblick in sein Schaffen zu geben. Das Format würde es möglich machen, Wilfried Bauer einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen.

An welche Formate hast du noch gedacht?
Die Reihe ermöglicht uns, das zu zeigen, was die Fotografie ausmacht. Sie wird die Vielschichtigkeit des Mediums präsentieren. Es gibt deshalb viele Möglichkeiten. Hamburger Helden könnten in der Zukunft auch von externen Kuratoren und Kuratorinnen übernommen werden. Eine umfassende Retrospektive wird sicherlich nicht möglich sein, aber das Format bietet die Chance, Serien oder Werkgruppen auszustellen. Mit jeder Ausstellung der Hamburger Helden kann ebenfalls der Raum in das kuratorische Konzept einbezogen und verändert werden. Das ist jetzt bei Peter Bialobrzeski relativ eindeutig: 40 Arbeiten, ein kleiner Prolog. Initialzündung für die Werkschau war sein Buch Die zweite Heimat, das parallel zur Ausstellung erscheint. Ein schöner Synergie-Effekt.

Was könnte in der nächsten Ausstellung der Hamburger Helden ein Thema sein?
Wir haben Fotografen, die zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt im Bereich des Stilllebens bahnbrechende Arbeiten gemacht haben, die aber noch nie wirklich einem breiteren Publikum gezeigt wurden. Dann gibt es Hamburger Fotografen, die unglaubliche Charakterstudien von Menschen gemacht haben, die in der eigenen Stadt gar nicht zu Wort gekommen sind. Das ist erstaunlich und das beobachtet man immer wieder. Wir machen seit 15 Jahren Ausstellungen im Haus der Photographie und es wäre ein guter Zeitpunkt, den Blick auf Fotografinnen und Fotografen zu werfen, die stark mit dieser Stadt verbunden sind.

Die Ausstellung Die zweite Heimat von Peter Bialobrezski ist noch bis zum 7. Januar 2018 im Haus der Photographie zu sehen.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>