Kunstlabor # 10. Foto: Birgit Hübner / Deichtorhallen

Einfach nur gut – Ein Rückblick auf das 10. Kunstlabor

Eine Woche lang nutzten 28 Jugendliche die Workshopräume im Haus für aktuelle Kunst zur freien künstlerischen Entfaltung im Rahmen des nun bereits zum 10. Mal stattfindenden Kunstlabors. Zum Jubiläum erwartete die Kunstlabor-TeilnehmerInnen dieses Mal auch eine ganz besondere Herausforderung: die KUNSTAUSSTELLUNG des für seinen subtilen Humor bekannten Künstlers HANS-PETER FELDMANN.

Durch stets freundliche und professionelle Unterstützung der Dozenten Sabine Flunker und André Lützen entstand innerhalb einer Woche eine bedeutende Vielfalt an Arbeiten. Feldmanns Humor, sein spielerisches Aufgreifen alltäglicher Phänomene sowie seine Faszination für Bilder jeglicher Art inspirierten die Jugendlichen zu den unterschiedlichsten Arbeiten.

Für unseren Blog haben Per-Christian Petersen und Clarissa Sävecke, Schüler des Gymnasiums Hochrad, jeweils einen kurzen Rückblick auf das zehnte Kunstlabor formuliert.

„Eine Woche liegt jetzt hinter uns. Fast 30 Schülerinnen und Schüler Hamburger Schulen kamen täglich zusammen und aus Ideen wuchsen Objekte, Werke, Collagen und Freundschaften. Die Ausstellung von Hans-Peter Feldmann blieb dabei immer im Hinterkopf. Seine Werke inspirierten uns und sind auch in den „neuen“ Werken wieder zu finden. Ist es die Collage, der gesammelte Alltag oder doch das Spiel mit innen und außen? Ein Schuh erzählt Geschichten, Werke alter Meister werfen durch das Spiel mit der Dreidimensionalität Schatten auf sich selbst, der verschwommene Alltag wird abgebildet durch Schatten und die Vergänglichkeit des Lebens in einer Fotoserie.

Foto: Birgit Hübner / Deichtorhallen

All das und noch viel mehr entstand hier, in den Deichtorhallen, in drei Räumen. Wir waren aber nicht allein. Sabine Flunker, André Lützen und Kira Dell begleiteten uns die Woche über. Schon nach dem ersten Tag wusste man, an wen man sich wenden musste, wenn man Rat, Lob, Kritik, Fachwissen oder Denkanstöße brauchte. Nicht zu vergessen sind auch die Besucher der eigentlichen Ausstellung, die verwundert, schüchtern und überzeugt unsere Räume betraten, fotografierten und Fragen stellten. Vor allem das früh an die Wand geklebte Werk „Gala Nr. 4“ zog die Aufmerksamkeit auf sich.

Wie ist das alles entstanden, wie haben wir gearbeitet? Morgens trafen wir uns, stellten Fragen und begannen die individuelle Arbeit. Dies wurde auf die unterschiedlichsten Weisen getan. Nach fünf Minuten waren zwei Räume in Schlachtfelder verwandelt, der Boden übersät von Spänen, der Tisch und die Unterlage voll mit roter Farbe, der Boden mit Papierschnipseln bedeckt. Ein Wunder, dass diese Räume am Ende wieder begehbar waren. Alle, die mit dieser Art des Arbeitens nichts anfangen konnten, zogen in die Welt. Aber auch sie kamen wieder – mit Fotos von Menschen, Essen, Gesichtern, Schatten und Obst. In der täglichen Pause blieben immer einige in den Räumen, es wurde still. Viele verließen aber auch die Deichtorhallen und gingen zum Hauptbahnhof um ihren Hunger zu stillen. Danach ging es weiter und immer weiter. Selten gab es jemanden, der nichts zu tun hatte. Am letzten Tag waren die ersten schon früher fertig, andere mussten sich ein bisschen beeilen, aber schlussendlich ist alles fertig geworden.

Jetzt fehlt noch ein Schlusswort, eine Bewertung meinerseits. Ich kann das schlecht in Worte fassen und lass es lieber. Zum Schluss nur eines meiner Lieblingswörter, das beschreibt, dass mir etwas sehr gefallen hat: „gut“.“

Per-Christian Petersen (17 Jahre)

 

„Die Ausstellung wird eröffnet, das Kunstlabor ist offiziell vorbei. Menschen werden unsere Kunstwerke angucken und wir werden selbst zum Künstler. Es ist ein seltsames Gefühl zu wissen, dass Unbeteiligte mit Kritik und Neugier die eigene Arbeit betrachten und urteilen.  Es war eine lehrreiche Woche, aus der die unterschiedlichsten Werke entstanden sind. Wie ich gemerkt habe kann Kunst durchaus auch zum Verzweifeln bringen, wenn man ideenlos auf einen Punkt starrt, aus allem etwas machen will oder einfach nicht weiter kommt. Doch die jetzigen Ergebnisse machen stolz und können sich wirklich sehen lassen. Dies ist mit Sicherheit auch der angenehmen Arbeitsatmosphäre zu verdanken. Die Runde der Teilnehmenden ist gemischt und lebendig, aber beim Arbeiten ruhig und konzentriert. Alle Teilnehmer sind äußerst talentiert und ich war positiv überrascht zu sehen, was die anderen machen. In unseren Räumen haben sich über die Tage verschiedenste Ideen angesammelt. Ideen, die manchmal so simpel, aber genial sind, dass es mich wirklich erstaunt hat, was alles zu Kunst werden kann.

Foto: Birgit Hübner / Deichtorhallen

Ich finde es erstaunlich, wie aus einfacher Spielerei mit Material wirklich authentische Arbeiten entstehen. Allerdings hat mir der Arbeitsprozess an sich auch gezeigt, dass nicht aus jedem Fünkchen ein Feuer wird. So mussten viele Eingebungen erst mal weiterentwickelt und überarbeitet werden, bevor sie ausstellungsreif wurden. Ebenso bei mir: Ich wollte Socken fotografieren und bin bei Waschbecken gelandet, eine recht unerwartete Entwicklung. Unsere Dozenten haben uns ausgesprochen engagiert unterstützt und geleitet, mit uns Ideen verworfen oder uns neue Anregungen gegeben. Insgesamt war es eine aktionsreiche Zeit und man war wirklich unerwarteter Weise oft länger als geplant mit den Dingen beschäftigt, sodass die Zeit wie im Flug verging. Es wurde eifrig geklebt, geschnitten, diskutiert geschleppt und bearbeitet, denn  es wurden nicht nur klassisch Leinwand und Pinsel sondern auch unterschiedlichste Materialien und Geräte benutzt.

Wir haben viel mit Fotografie und Collagen gearbeitet. Es waren aber auch ganz andere Techniken dabei, auf die ich wahrscheinlich nicht mal selbst gekommen wäre. Eine Menge Projekte erforderten viel Arbeit – nicht nur im Rahmen der Räumlichkeiten in den Deichtorhallen. Oftmals waren wir in der Stadt zum Fotografieren und Ideensammeln unterwegs oder um vereinzelt noch dringend benötigtes Material nachzukaufen. Und das bei den eisigen Temperaturen über die Tage – na wenn das keine Hingebung ist. Und auch wenn einige Werke letzten Endes vielleicht unerklärlich oder befremdlich wirken – vor allem in dieser Woche habe ich gelernt, dass es nicht darum geht, Kunst zu verstehen, sondern sich darauf einzulassen und für sich einen oder eben keinen Sinn zu finden.“

Clarissa Sävecke (17 Jahre)

Die Kunstlabor-Ausstellung kann noch bis zum 2. Juni 2013 als Ergänzung zur Hans-Peter Feldmann Ausstellung in der Halle für aktuelle Kunst besichtigt werden.

Umsetzung: Kira Dell

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